Kein Strom. Keine Panik. Stromausfälle: Erfahrungsaustausch zwischen der Ukraine und Berlin
Was passiert, wenn der Strom ausfällt? Ein Austausch zwischen der Ukraine und Berlin zeigt, wie wichtig Vorbereitung ist. Erfahrungen aus der Ukraine machen deutlich: Vorsorge ist keine Panik, sondern Verantwortung.
Am Vorabend des Café Kyiv haben wir als Ukraine2Power zu einem informellen Gespräch nach Berlin-Zehlendorf eingeladen: in einen Stadtteil, der selbst von dem mehrtägigen Stromausfall betroffen war.
Während Stromausfälle in der Ukraine seit Jahren trauriger Alltag sind, hat in Deutschland ein viertägiger Blackout infolge von Sabotage bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Für viele hier vielleicht: passiert – repariert – vergessen. Doch wie gut ist Berlin wirklich vorbereitet?
Gemeinsam mit unseren Gästen aus der Ukraine und Deutschland haben wir darüber gesprochen:
- Vitalii Lukov, Erster Stellvertretender Bürgermeister von Mykolajiw, berichtete, wie seine Stadt mit anhaltenden Stromausfällen umgeht und welche pragmatischen Lösungen im Alltag helfen.
- Mariia Tsaturian von der Ukraine Facility Platform, ehemalige Sprecherin von NPC UKRENERGO, schilderte die historischen Stunden, als sich die ukrainische Energieversorgung wenige Stunden vor der großflächigen Invasion vom russischen Netz abkoppelte und kurz darauf mit dem europäischen Netz synchronisierte.
- Dr. Susanne Nies, Energieforscherin am Helmholtz-Zentrum Berlin, Projektleiterin von „Green Deal Ukraina“, brachte die deutsche Perspektive ein, zog Parallelen und ordnete Unterschiede differenziert ein.
🎤 Moderiert wurde der Abend von Nataliia Fiebrig, Mitgründerin und Direktorin von Ukraine2Power.
Es war ein bewusst gewähltes Format: ein offener Abend in einem Café in Zehlendorf. Wir wussten nicht, ob das Thema für Berlinerinnen und Berliner noch präsent ist. Doch die, die kamen, nutzten die Gelegenheit. Es entstand ein intensiver Austausch – viele Fragen, keine Eile, Raum für echte Gespräche.
Ein Satz blieb besonders hängen:
💭„Ihr habt etwas, das wir nicht mehr haben: Zeit. Nutzt sie, um euch auf mögliche Krisen vorzubereiten“, sagte Mariia Tsaturian.
Vitalii Lukov betonte, dass für die Menschen nicht nur Strom entscheidend ist. Noch kritischer sind jedoch Wasser und Kommunikation. Wenn auch diese beiden wegfallen, beginnen viele ernsthaft über Wegzug nachzudenken.
Dr. Susanne Nies sagte, Berlin sei auf eine solche Sabotage nicht ausreichend vorbereitet gewesen. Das Wichtigste sei jetzt, kritische Szenarien zu trainieren und Reaktionsmechanismen zu üben.
Wir hoffen sehr, dass Berlin und Deutschland keine langanhaltenden Stromausfälle erleben müssen. Doch in einer unsicherer gewordenen Welt gilt: Vorsorge ist keine Panik, sondern Verantwortung.
📸 Antonina Polukhina